Anlässlich der 69. Generalversammlung im ehemaligen Kindergarten Ciani in Lugano zog die Sektion Tessin eine umfassende Bilanz zur aktuellen Lage der Branche, beleuchtete zentrale Herausforderungen und formulierte Perspektiven für die kommenden Jahre.
Die Mitgliederversammlung bestätigte am 14. April den bestehenden Vorstand für eine weitere Amtsperiode von drei Jahren und wählte Damiano Crivelli erneut zum Präsidenten. Diese Wiederwahl unterstreicht die Kontinuität und das Vertrauen in die Führung der Sektion in einer Zeit, in der die Carrosseriebranche von tiefgreifenden Veränderungen geprägt ist – etwa von technologischen Entwicklungen bei Fahrzeugen sowie sich wandelnden Marktbedingungen.
Im Zentrum der Versammlung stand erneut ein wesentliches Anliegen des Verbandes: die kontinuierliche Stärkung der fachlichen Kompetenzen seiner Mitglieder. Dieses Ziel soll durch gezielte und praxisnahe Dienstleistungen erreicht werden, welche die Betriebe aktiv bei den Veränderungen in der Branche begleiten und ihre Qualität, Professionalität sowie ihre Anpassungsfähigkeit an neue Marktanforderungen sichern.
Entwicklung der Reparaturkosten im Fokus
Ein weiteres wichtiges Thema bildete die Entwicklung der Reparaturkosten, die häufig Gegenstand öffentlicher Diskussionen ist. Die präsentierten Daten zeichnen dabei ein klares Bild. Entgegen der verbreiteten Annahme steigen die durchschnittlichen Reparaturkosten nicht, sondern zeigen seit Jahren einen rückläufigen Trend. Damit widersprechen die Ergebnisse der Analyse der weit verbreiteten Wahrnehmung, dass Fahrzeugreparaturen zunehmend teurer werden.
Zusätzlich zeigen die Daten eine Abnahme des durchschnittlichen Arbeitsaufwands in den Carrosseriewerkstätten sowie der durchschnittlichen Arbeitsstunden pro Schadenfall. Dies deutet auf eine steigende Effizienz in den Reparaturprozessen hin. Gleichzeitig bleiben bestimmte Einflussfaktoren bestehen, die weiterhin Druck auf die Kostenstruktur ausüben. Dazu zählen insbesondere steigende Ersatzteilpreise sowie ein anhaltender Anstieg der durchschnittlichen Stundensätze für Carrosseriearbeiten. Es sei daher «entscheidend, die Daten ganzheitlich zu betrachten, anstatt einzelne Kennzahlen isoliert zu beurteilen», betonte Damiano Crivelli.
Die statistische Grundlage der präsentierten Analyse ist breit abgestützt und repräsentativ. Sie basiert auf anonymisierten Audatex Daten von 42 Tessiner Betrieben, was rund 75 Prozent der Audatex Nutzer in der Region entspricht. Mit etwa 11’500 Schadenfällen pro Jahr deckt die Stichprobe rund 37,5 Prozent aller von diesen Betrieben erstellten Kostenvoranschläge ab.
Ausbildung, Nachwuchsförderung und Branchenentwicklung
Ein weiterer Schwerpunkt der Versammlung lag auf den Ausbildungsaktivitäten. Die Academy carrosserie suisse, die ihre Programme im Berufsbildungszentrum in Giubiasco durchführt, verzeichnet weiterhin grosses Interesse bei jungen Frauen und Männern in der Grundausbildung. In Zusammenarbeit mit dem Kanton tragen Initiativen wie das Projekt «Mille Strade» dazu bei, das Berufsbild der Carrosserieberufe direkt in den Oberstufenschulen bekannter zu machen.
Die Kooperation mit der Zentrale in Zofingen ermöglichte zudem die Durchführung der Berufsprüfungen zum Carrosseriewerkstattleiter mit eidgenössischem Fachausweis in Giubiasco. Im Juni stehen ausserdem Modulprüfungen für Lackierfachleute an, die sowohl schriftlich als auch praktisch absolviert werden.
Das Weiterbildungsangebot der Tessiner Academy wird laufend ausgebaut. Geplant sind unter anderem Kurse zu Hochvolttechnik, Ausbeultechniken und Kunststoffreparatur, die ganzjährig angeboten werden und auch Nichtmitgliedern offenstehen. Ergänzend wurde auf Initiative des Sektionsvorstands die Junior Academy ins Leben gerufen, die mit gezielten Workshops speziell Lernende anspricht. Weiterhin etabliert sich der JobService als wichtige Plattform innerhalb des Verbandes. Über dieses Instrument wurden bislang mehr als 60 Berufsprofile erfolgreich zwischen den Mitgliedsbetrieben vermittelt.
Impulse aus der Branche und politischer Austausch
Gegen Ende der Veranstaltung hielt Luca Montagner, stellvertretender Direktor des ICDP und Senior Advisor Automotive, ein Gastreferat zum Thema Automobilbranche und Auswirkungen auf den Aftermarket. «Die Diversifizierung von Dienstleistungen wird immer wichtiger – Betriebe sollten den Wandel nicht nur akzeptieren, sondern aktiv mitgestalten». Entscheidend seien dabei strategisches Handeln, kontinuierliche Weiterbildung, gezielte Investitionen sowie eine vertiefte Kenntnis des Marktes.
Den offiziellen Abschluss bildete die Ansprache von Norman Gobbi, Direktor des Departements für Institutionen. «Die Sektion Tessin von carrosserie suisse und die kantonalen Behörden arbeiten eng zusammen, wo es Sinn ergibt. Die spürt man dann direkt in den Resultaten und Massnahmen, welche getroffen würden.»
Text: Sektion Tessin