St. Gallen, 29. Juni, viele lackende Gesichter: Auch in der Ostschweiz jubelten Ende Juni junge Fachkräfte aus den Carrosserie- und Fahrzeugbauberufen. Die Sektion Ostschweiz von carrosserie suisse liess die neueste Generation von Berufsleuten im Gewerblichen Berufs- und Weiterbildungszentrum GBS gemeinsam mit deren Angehörigen hochleben.
«Erfolg hat drei Buchstaben: TUN!» Mit diesem treffenden Zitat des berühmten deutschen Dichters Johann Wolfgang von Goethe eröffnete Peter Schubiger, Berufsschullehrer im Bereich Lackiererei an der Berufsfachschule GBS St. Gallen und Vorstandsmitglied der Sektion Ostschweiz, die Diplomfeier der Carrosserieberufe. Eine Berufslehre bedeute genau das: «Machen, anpacken, lernen, ausprobieren und verbessern.» Der Weg bis zum begehrten Diplom sei sicherlich nicht immer einfach gewesen, denn «manchmal wurde der Lack nicht klar, das Blech stellte sich quer oder die Zeit lief einfach davon.»
Doch genau in diesen Momenten zeige sich, was das Handwerk wirklich ausmache: Übung, Durchhaltevermögen, Herzblut und der Wille, jeden Tag ein bisschen besser zu werden.
Qualität sichtbar machen
Andreas Looser, Prorektor der Berufsschule, gratulierte den frischgebackenen Berufsleuten ebenso herzlich. «Die Absolventinnen und Absolventen haben in den vergangenen Jahren enorm viel gelernt, geprüft und geschliffen. Dabei ist eines klar geworden: In der Carrosseriewelt darf es an vielem fehlen, aber sicher nicht am Lack!» Weiter betonte Moser, wie stolz die jungen Berufsleute auf ihre Leistung sein könnten, trügen sie mit ihrer Arbeit doch täglich dazu bei, Qualität auf den Strassen sichtbar zu machen. «Ein echtes Handwerk, das definitiv Zukunft hat.»
Vom Haufen Material zur Idee auf Rädern
Bei den praktischen Prüfungen verlangten die Expertenteams den Kandidatinnen und Kandidaten auch in diesem Jahr alles ab. Die Fahrzeugschlosser starteten denkbar puristisch – lediglich mit einem Tisch voller Material. Das Ziel? Ein fertiges Objekt, das strikt nach Planstudium, Stückliste und Detailzeichnung entstehen musste. «Nur anderthalb Stunden nach Start herrschte in den Werkstätten bereits voller Lärm. Aus Aluminium und Stahl wurde zugeschnitten und abgekantet. Jedes Detail, jede Bohrung und jedes Kleinteil musste exakt stimmen. Eine perfekte Vorbereitung war hier die halbe Miete», bemerkte Daniel Knaus, Chefexperte im Beruf Fahrzeugschlosser/-in EFZ.
Am Ende hiess es: Alles auf die Räder stellen und hoffen, dass es perfekt passt. Ausserdem waren die jungen angehenden Berufsleute bei der Postenarbeit angehalten, Fehler zu suchen, Abläufe zu erklären und ihr Können in der Pneumatik zu beweisen.
Von der Delle bis zum Kalibrieren
Die Carrosseriespengler stellten ihr Können an fünf anspruchsvollen Stationen unter Beweis. Neben dem klassischen Handwerk – wie dem Herausklopfen einer Delle, welche die Experten extra vorher präparierten – ging es auch hochmodern zu und her: Die Installation und präzise Kalibrierung eines Rückfahrsystems gehörte ebenso dazu wie das fachgerechte Ersetzen und Einpassen einer kompletten Tür samt Scharnier.
Kein Finish ohne Fleiss
Die Lackierassistenten absolvierten vier anspruchsvolle Arbeiten, unter anderem an einer Motorhaube. Sie zeigten ihr Geschick beim Grundieren, Spachteln und Füllern von Beschädigungen sowie beim Vorbereiten und Lackieren eines Kotflügel-Neuteils – immer auch mit dem Augenmerk auf die Arbeitssicherheit.
Die Carrosserielackierer wiederum bewiesen an drei Tagen bei insgesamt fünf Arbeiten ihren Durchhaltewillen. Eine beschädigte Neuteil-Tür sowie ein Kotflügel mussten für weitere Arbeiten geschliffen und vorbereitet werden. Bei einer Kunststoffreparatur an einer Stossstange galt es, einen Riss professionell aufzuschleifen und zu kleben. Bei der finalen Aufgabe mussten die Berufsleute vorlackierte Kotflügel reparieren, spachteln und füllern – das reine Lackieren stand im Fokus, ein Finish gab es hier nicht.
Ein Meilenstein und ein Abschied nach 20 Jahren
Fabian Eugster, Präsident der Sektion Ostschweiz, fand zum Abschluss klare Worte: «Ihr habt einen wichtigen Meilenstein erreicht. Dieses Zeugnis ist mehr als nur Papier. Es zeigt, dass Ihr durchgehalten und eine grosse Herausforderung gemeistert habt.» Doch er blickte auch voraus: «Eigentlich fängt das Lernen jetzt erst an. Die besten Berufsleute sind diejenigen, die niemals aufhören zu lernen und sich weiterentwickeln.» Die Carrosseriewelt stehe den Absolventinnen und Absolventen nun mit all ihren neuen Techniken und Materialien weit offen.
Neben dem Berufsnachwuchs gab es einen weiteren emotionalen Grund zum Feiern: Berufsschullehrer Peter Schubiger verabschiedet sich nach über 20 Jahren treuem und leidenschaftlichem Einsatz in den Ruhestand. Die Lernenden und Gäste bedankten sich bei ihm mit einem riesigen, langanhaltenden Applaus.
Mit Herzblut, Fingerspitzengefühl und einem Auge für Perfektion in die Zukunft
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Im Podcast
Daniel Knaus, Chefexperte Fahrzeugschlosser, über sein Wirken an den Schlussprüfungen und den Umgang mit den Jugendlichen